Grundwissen Finanzen: Anlageberatung vs. Vermögensverwaltung

Anlageberatung und Vermögensverwaltung erklärt

Eine Gemeinsamkeit billige ich diesen beiden Formen der Vermögensbetreuung zu: Sie sind beide auf langfristige Arbeit mit dem zur Verfügung stehenden Vermögen ausgerichtet. Die Geldanlage – in welcher der beiden obigen Formen auch immer – ist grundsätzlich ein Marathonlauf und kein Sprint. 

Wer langfristig und vorausschauend plant, der kümmert sich um seine Finanzen bereits in jungen Jahren, so wie dieses Paar hier im Foto. Vielleicht sind beide berufstätig. Es ist ausreichend Liquidität für die Altersvorsorge übrig, die schlau angelegt werden muss – insbesondere, wenn die Bank oder Sparkasse keine Zinsen mehr zahlt, sondern vielleicht sogar schon „Negativzinsen“ berechnet. 

verliebtes Paar Christoph Vogt Finanzberatung Buxtehude Vermögensverwaltung Hamburg FORMAT Asset Management kleiner

Leider befinden wir uns immer noch in der „Rachephase“ der Politik gegenüber dem Finanzsektor. Rache – wofür? Die Politik rächt sich für die aufgebrachten Milliarden EURO, mit denen einige Banken in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 gerettet werden mussten (eine zweite „Lehman-Pleite“ sollte in Deutschland und Europa unbedingt verhindert werden). Im Zuge der Aufarbeitung dieser Finanzkrise wurde die Aufsicht über den gesamten Finanzsektor weiter verschärft. Leidtragende sind alle Finanzkunden in Banken, Sparkassen, Finanzberatungen oder Vermögensverwaltungen. 

Für Privatkunden im Bereich der Geldanlage ist ein entscheidender Punkt besonders relevant: Die Pflicht für den Berater, über jeden Kundenkontakt ein Protokoll zu führen, sofern Anlageberatung vorgenommen wurde. Was ist Anlageberatung? Der Kunde entscheidet über Vorschläge, die ihm durch einen Berater unterbreitet werden. Oder der Kunde geht auf seinen Berater zu und fragt um eine Meinung. Bsp. „Soll ich lieber Siemens Aktien oder die von General Electric kaufen?“ Jeder Berater muss nach einem solchen Kontakt protokollieren, welchen Rat er aufgrund welcher Aussagen gegeben hat. Im Idealfall zeichnet der Kunde ein Gesprächsprotokoll gegen – unabhängig davon, welchen Entschluss er fasst. Oder ob er überhaupt investiert. Kurzum: Die Regulierungswut der Politiker hat dazu geführt, dass Berater letztlich mehr mit dem Anfertigen von Protokollen als mit der aktiven Kundenberatung beschäftigt wären. 

Wie sieht nun also die Notwehr in den Banken und Sparkassen aus? Einfache Lösung: Am besten wird keine Anlageberatung mehr angeboten und stattdessen auf den guten, alten, lukrativen Produktvertrieb aus dem eigenen Haus zurück gegriffen. Dann hört sich ein Kundenkontakt z.B. so an: „Wir möchten 100.000 EUR investieren. Welche Aktien und Rentenpapier können Sie empfehlen? Also bei „nur“ 100.000 EUR würde ich nicht auf einzelne Titel setzen. Da ist die Streuung nicht breit genug. Da empfehle ich Ihnen stattdessen den Fonds XY (Hausmarke natürlich!), der quasi einer Vermögensverwaltung entspricht. Beim Preis kann ich Ihnen sogar noch etwas entgegen kommen und statt 4% nur 3% Ausgabeaufschlag berechnen. Wie klingt das für Sie?“

Privatbanken in Hamburg haben inzwischen das Mindestvolumen für eine Anlageberatung oder einen Kundenkontakt auf 4 Mio EUR angezogen. Darunter liegende Volumina sind aus deren Sicht nicht mehr kostendeckend. Die Folge für alle Bankkunden: Die Absicht des Gesetzgebers, alle Kunden besser aufzuklären und vor Falschberatung zu schützen, hat dazu geführt, dass kaum noch beraten wird! Aus meiner Sicht trifft das ganz besonders diejenigen, die am meisten Beratung brauchen mit Anlagebeträgen bis zu 500.000 EUR. 

altes Paar von hinten Christoph Vogt Finanzberatung Buxtehude Vermögensverwaltung Hamburg FORMAT Asset Management kleiner

Wie gelingt es nun, im Alter zufrieden auf die eigenen Ländereien und das Altersvermögen zu blicken? 

Sicherlich nicht, in dem bei der Bank oder Sparkasse direkt zur Begrüßung das Anlagevermögen über unnötige Kosten geschmälert wird. Drei Prozent von 500.000 sind bekanntlich 15.000 EUR. Die behält im oben geschilderten Fall die Bank oder Sparkasse als Vergütung für ihre „Beratung“ = „Produktverkauf!“ ein. 

Im Modell der Vermögensverwaltung gewährt der Kunde dem Berater eine Transaktionsvollmacht innerhalb der Kundensphäre. Der Berater kann dann unabhängig ohne Rücksprache mit dem Kunden Käufe und Verkäufe von Wertpapieren vornehmen und somit das Depot des Kunden autark steuern. Dabei wird genau festgelegt, innerhalb welcher Risikogrenzen sich bewegt werden darf, welche Wertpapiere zugelassen oder ausgeschlossen werden etc. Umschichtungen können somit nur innerhalb des Depots oder zwischen dem Abwicklungskonto (für das Bargeld) und dem Kundendepot erfolgen. Verzögerungen bei Nichterreichbarkeit des Kunden werden vermieden. Verfügungen sind explizit ausgeschlossen, um den Kunden zu schützen. Größter Vorteil für den Kunden: Zeitgewinn und weniger Sorgen, sich selbst um lukrative und solide Anlagemöglichkeiten zu kümmern zu müssen. Viele Menschen fühlen sich bei der Aufgabenstellung überfordert. Anständige Vermögensverwalter erhalten nur eine Vergütung für ihre Beratungsleistung und sind nicht an Transaktionen beteiligt. Daher werden von 500.000 EUR wie im Beispiel oben dann auch nahezu 500.000 angelegt und nicht nur 485.000 EUR wie im Fall des Produktvertriebs durch eine Bank oder Sparkasse. Innerhalb von Vermögensverwaltungen sollte grundsätzlich ohne Ausgabeaufschläge gearbeitet werden.  

Schreibe einen Kommentar