GameStop bedeutet “End of Game” für viele Neulinge

Die Börse ist eben keine Spielerei

Was war da eigentlich los?

Ein Hedgefonds setzt auf den Niedergang eines Computerspielehändlers. Hedgefonds sind Investmentfonds, die große Freiheiten bei der Wahl ihrer Anlageinstrumente und ihrer Anlagepolitik genießen. Eine Variante ihrer Politik ist, auf fallende Aktienkurse zu setzen.  Die Positionierung insbesondere eines Hedgefonds spricht sich herum. Darauf wird die Aktie auf diversen Plattformen über sog. Discount Broker wild gekauft. Ein Name macht offenbar Mut: Robinhood.com. Viele junge Neulinge am Aktienmarkt wollen “es den Milliardären mal heimzahlen”. 

Reddit, Robinhood.com, Melvin Capital, Elon Musk und Wolf of Wallstreet? Was für eine Kombination!

Zunächst zurück zum Anfang dieser wilden Spekulation:

Im Oktober 2020 notiert die Aktie des Computerspiele Händlers GameStop in den USA bei rund 10 USD je Aktie. Das Unternehmen ist ein klarer Verlierer der Pandemie. Viele Einkaufszentren leiden unter einem großen Besuchermangel. Das Unternehmen befindet sich im wirtschaftlichen Niedergang. Der Unterhalt eines teuren Filialnetzes aus “Brick-and-Mortar” ist nicht mehr wettbewerbsfähig, während die Konkurrenten auf Streaming über das Internet setzen. 

Vielleicht hat zu diesem Zeitpunkt schon der Hedgefonds Melvin Capital große Stückzahlen Aktien von GameStop geliehen und verkauft. Die Erwartung des Fondsmanagers ist eindeutig. Er setzt auf eine baldige Insolvenz des Unternehmens. Kursziel: 0,00 USD je Aktie. Sein erhoffter Gewinn je Aktie liegt somit bei rund 10 USD.   

Wann exakt das Thema bei der sozialen Plattform Reddit zum Gesprächsthema wurde, ist mir nicht bekannt. Jedoch lässt sich am folgenden Kursverlauf der Aktie erahnen, wann die Spekulation des Hedgefonds auf den Niedergang von GameStop begann, sich weiter auszubreiten. Bis zum Jahresende 2020 stieg der Aktienkurs des mutmaßlich Todgeweihten in Wellenbewegungen auf 18,84 USD. 

Der Lockruf von Robinhood.com auf seiner Internetseite Christoph Vogt Finanzberatung sichere Geldanlage Vermögensverwaltung Niedersachsen Norddeutschland Schleswig-Holstein
Der Lockruf auf der Homepage von Robinhood.com

Am 13. Januar 2021 sprang der Funke offenbar von der Plattform Reddit u.a. auf Robinhood.com (ein sehr junges Unternehmen, das als Discount Broker sehr viele junge Kunden hat) und andere Handelsplattformen über. Für Melvin Capital nahm das Schicksal eine verheerende Wende. An nur einem Tag katapultierte eine über die sozialen Medien aufgeheizte Schar den Aktienkurs von GameStop auf knapp 39 USD, nachdem die Aktie am Morgen bei gut 20 USD gestartet war. Eine Kursbewegung in so einem Ausmaß an nur einem Handelstag ist natürlich Gesprächsstoff an der Börse. GameStop wird zu dem Investment Thema der nächsten Handelstage. Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf und der gefährliche Herdentrieb von Spekulanten kreiert ein neues Beispiel für die Lehrbücher. Bis zum 22. Januar zieht der Aktienkurs weiter an auf rund 42,5 USD zum Handelsbeginn. Am Abend des 22.1. notiert der Kurs bei gut 65 USD. 

Das fühlt sich jetzt an wie die “fünfte Jahreszeit” 

Der Gipfel des kollektiven Wahnsinns wird schon wenige Tage später am 28. Januar 2021 erreicht. Nach einem Eröffnungskurs von 265 USD steigt die Aktie auf 483 USD, um dann jäh abzustürzen auf 193 USD je Aktie zum Handelsschluss. Liebe Freunde der schlauen Geldanlage. Das ist Zockerei und hat mit seriöser Geldanlage nichts zu tun! Viele der Börsenneulinge, die sich in der Aktie von GameStop versuchten, wollten sich sicher einmal wie der Filmheld Jordan Belfort in “Wolf of Wallstreet” fühlen. Für die allermeisten unter ihnen dürfte dieses Experiment sehr teuer ausgegangen sein. Leider ist auch schon ein erster Selbstmord wegen der Spekulation um GameStop bekannt geworden. 

Selbst der derzeit reichste Mensch auf diesem Planeten, Elon Musk, konnte es nicht lassen, diesen irren Hype um einen Pleitekandidaten auf der sozialen Plattform Twitter zu kommentieren. Er schrieb nur ein einziges Kunstwort in einen Tweet: “Gamestonks”. Das Wort “Stonks” ist die absichtlich falsche Schreibweise im Amerikanischen für “Stocks” – also “Aktien” auf Deutsch. Mit “Stonks” werden allgemein finanzielle Fehlentscheidungen umschrieben, die i.d.R. auf der Ahnungslosigkeit der Beteiligten beruhen, daher auch die falsche Schreibweise. 

Melvin Capital konnte nur durch die kurzfristige Geldspritze durch einen befreundeten Hedgefonds vor einem noch größeren Desaster gerettet werden. Es ist schon gut, wenn man Freunde hat, die einem schnell mal 2,5 Mrd. USD leihen können! Das Problem beim Spekulieren auf fallende Kurse ist nämlich, dass das Verlustpotenzial des Verkäufers unbegrenzt ist. Ein Aktienkurs kann nicht unter null fallen, dagegen theoretisch unendlich hoch steigen. Insbesondere in der Finanzbranche gilt: Wer sich etwas ausleiht, muss es auch zurückzahlen. Melvin Capital war also gezwungen, zu jedem Kurs zu kaufen, um seine Lieferverpflichtungen erfüllen zu können. Das führte letztlich dazu, dass der Fonds im Januar 53% seines Wertes verlor. 

Die Erkenntnisse aus dieser wilden Zockerei ohne wirtschaftlichen Hintergrund

Preise, die an der Börse in Form von Aktienkursen gezahlt werden, weichen in 99,9% aller Fälle von dem tatsächlichen Wert der damit verbrieften Beteiligungswerte ab. Deshalb bin ich ein aktiver Investor, der gezielt nach unterbewerteten Aktien sucht. Liebe Leute, der Herdentrieb ist extrem gefährlich an der Börse. Wenn alle nur noch über ein Thema sprechen, ist es an der Zeit, sich davon zu verabschieden. Was mir unbegreiflich ist, dass immer wieder Neulinge ohne jede finanzielle Ausbildung meinen, an der Börse könne man schnell und einfach Geld verdienen, ohne sich anstrengen zu müssen. Auch wenn ein Aktienkurs von dem “wahren Wert” dahinter abweicht, so reflektiert er doch über einen längeren Zeitraum sehr gut die wirtschaftlichen Verhältnisse der Aktiengesellschaft. Ein Beispiel: Die Commerzbank hat kürzlich vermeldet, rund 10.000 Arbeitsplätze zu streichen. Das macht meistens ein Unternehmen, dem es schlecht geht. Der Aktienkurs zeigt sehr deutlich, wohin die Reise in den letzten Jahren ging!  

Christoph Vogt über GameStop Melvin Capital Reddit Robinhood Elon Musk Wolf of Wallstreet
Geldanlage ist kein Spiel. Wer spielt, verliert!

Und bei GameStop? Heute liegt die aktuelle Kursindikation bei rund 48,60 USD. Wir halten fest, dass der Kurs sich der wirtschaftlichen Realität wieder annähert. Fraglich ist, ob es mittelfristig wirklich die Null wird, wenn sich das Unternehmen nicht neu erfinden kann. 

Persönlich finde ich es sehr schade, dass sich hier offenbar sehr viele junge Menschen haben mitreißen lassen. Diese Leute werden in den meisten Fällen Geld mit ihrem GameStop Abenteuer verloren haben. Das ist schlecht für die Aktienkultur. Die Börse ist ein Marktplatz für Unternehmensbeteiligungen und keine Spielwiese für “Gamer”, die mal ein bisschen “Zocken” wollen. Aktienanlagen sind in den Zeiten eines Nullzinses die sinnvollste Anlagemöglichkeit (nach der selbst genutzten Immobilie), um sein Vermögen zu schützen und zu vermehren. 

Übrigens: Auch die Spekulation auf fallende Kurse ist aus meiner Sicht keine Zockerei, sondern ihr liegt intensive Analyse zugrunde! Der New Yorker Hedgefonds Slate Path Capital soll rund 220 Mio. EUR mit der Pleite von wirecard verdient haben. Warum? Die haben echte Aktienanalyse betrieben und frühzeitig heraus gefunden, dass bei wirecard ein riesiger Betrug läuft. Ich gönne diesen Fondsmanagern ihren Gewinn von ganzem Herzen. Sie haben bei wirecard den besten Job ihrer Branche gemacht und wurden dafür belohnt. Warum hat offenbar kein Aktienanalyst in Deutschland sich die Mühe gemacht, die vielen angeblichen asiatischen Kunden von wirecard zu kontaktieren?    

Über die richtige Auswahl unserer Partner in der FORMAT Asset Management können Manuel Franz und ich gewährleisten, dass wir uns genau an solchen Beispielen wie GameStop nicht beteiligen. Oft ist langweilig eben doch total sexy, nämlich wenn jedes Jahr eine nette Dividende aus Gewinnen gezahlt werden kann oder die Kurse wachsender Unternehmen neue Hochs erreichen. Unsere Aktienfondsmanager sind quasi “handverlesen”, teilen unseren Investmentstil und verfügen über beste Expertise in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Das sorgt langfristig für viel Freude bei uns und unseren Mandanten. 

Bis bald an dieser Stelle,

Christoph Vogt

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