Der Investmentstil – wichtige Orientierungshilfe für Anleger

Der Investmentstil ist zur Auswahl eines passenden Fonds für Anleger essentiell

Ein Investmentstil leitet sich u.a. aus den dahinter stehenden Kapitalmarkttheorien ab. Jeder Fondsmanager sollte sich mit dem von ihm gemanagten Fonds einer Theorie und entsprechend dem dafür notwendigen Investmentstil zuordnen lassen.

Die Theorie effizienter Märkte geht davon aus, dass kein Investor einen Vorteil erringen kann, denn alle Informationen sind bereits im aktuellen Börsenkurs enthalten. In diesem (theoretischen!) Umfeld ist die aktive Suche nach unterbewerteten Aktien sinnlos. Folglich verspricht Passive Investing einen Ertrag, der nicht durch die Selektion bestimmter Titel im Portfolio übertrumpft werden kann. Im Ergebnis wird also der „ganze Markt“ in Form eines Index gekauft (ETF als Indexfonds). Die Fondsmanager haben in diesen Fonds die Aufgabe, den zugrunde liegenden Index permanent so präzise wie möglich abzubilden. 

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Kommen wir nun zum aktiven Fondsmanagement. Dem Active Investing lassen sich mehrere Management Ansätze zuordnen. Dieses beruht auf der These, dass trotz aller Informationen keine effizienten Märkte existieren. Unter dieser Annahme ist es sinnvoll, Unternehmensanalysen zu betreiben und zu versuchen, nach fundamental unterbewerteten Titeln Ausschau zu halten. Zum Erfolg eines Fonds tragen hier also Analysten und Fondsmanager bei, die nach Unternehmen suchen, deren Wert sie höher einschätzen, als den Preis, der gerade dafür an der Börse zu zahlen ist. Dieser Stil wird Value Investing genannt, wenn explizit nach Unternehmen gesucht wird, deren Preisabweichungen besonders hoch sind. 

Erweitern wir nun die aktuelle Bewertung eines Unternehmens um die Prognose zukünftiger Unternehmensentwicklungen (Umsatz- und Gewinnentwicklung, Cashflow Wachstum, Dividenden und deren Wachstumsraten) kann vom Growth Investing gesprochen werden. Natürlich handelt es sich auch hier um klassische Fundamentalanalyse. Werden die prognostizierten Erträge auf den heutigen Barwert abgezinst und liegt dieser über dem aktuellen Börsenkurs, handelt es sich um ein attraktives Investment.

Technical Investing verfolgt die Kursentwicklungen von Börsenkursen und leitet aus historischen Mustern Prognosen für die Zukunft ab. Im Grunde ist es den Anhängern der technischen Analyse völlig egal, was die Kurse und deren Kursmuster angetrieben hat. Entscheidend für die Investition hier ist die Interpretation von Chartbildern für die Zukunft. Unternehmensmeldungen über Gewinnentwicklungen z.B. sind für die Fondsmanager von technisch getriebenen Fonds nicht von Bedeutung, es sei denn, diese Meldungen verursachen bestimmte Kursmuster, die eine Reaktion erfordern. Sehr oft wird auf gleitende Durchschnitte von Kursen geachtet. Dann wird auch von klassischem Momentum Investing gesprochen, wobei dieser Investmentansatz einer von vielen der technischen Analyse ist. 

Quantitative Investing ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Möglich wurde dieser Aufschwung durch das Management von „Big Data“. Bei diesem Investmentstil durchforsten Computer nach definierten Kriterien sehr große Datenmengen, die kein menschliches Gehirn auch nur noch ansatzweise einordnen könnte. Möglich sind hier auch Kombinationen aus Fundamentalanalyse und technischer Analyse mit z.B. makroökonomischer Datenanalyse. Computermodelle fahnden dann z.B. nach Korrelationen in Faktormodellen mit zig Faktoren. Im Idealfall liefert so ein Modell dann konkrete Kauf- oder Verkaufssignale für jeden im Fonds enthaltenen Titel. Leider tendieren die meisten dieser Modelle zu einer Blackbox. Oft sind die eingeflossenen Daten ein wohlgehütetes Geheimnis der Programmierer (Fondsmanager). 

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Kommen wir noch einmal zum Active Investing zurück. Hier wird also davon ausgegangen, dass es permanent Fehlbewertungen an den Märkten gibt, die für schlaue Anleger Chancen auf Überrenditen versprechen. Hier haben sich in den letzten Jahrzehnten viele sehr spannende Segmente herausgebildet. Ein besonders reizvoller ist m.E. das sog. „Small- and MidCap Investing„. Hierbei widmet sich die Fundamentalanalyse ausschließlich kleineren Unternehmen. Diese können reine Wachstumsunternehmen sein oder auch dem Value Segment zugeordnet werden. Meistens ist hier natürlich die Wachstumskomponente dominant und das entscheidende Investitionskriterium. 

Natürlich gibt es hierzu auch das Gegenstück als „Large Cap Investing„. Hierbei investieren die Fondsmanager ausschließlich in die weltweit größten Aktienunternehmen.  

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Von eher kurzfristiger Natur ist das sog. „Event driven Investing„. Hier haben es sich die Fondsmanager zur Aufgabe gemacht, kurzfristige Kapitalmarktereignisse zu analysieren – z.B. Kapitalerhöhungen, Unternehmensübernahmen oder Fusionen. Nur präzise und schnell durchgeführte Fundamentalanalyse führt hier zum Erfolg. Das kann über die Bewertung von Bezugsrechten oder die Kündigung von Wandelanleihen passieren. Die Form der Ereignisse ist praktisch nicht limitiert. 

Wem die kurzfristige Ausrichtung durch Finanzmarktereignisse zu hektisch ist, kann auf Fondsmanager und deren Fonds setzen, die bewusst auf ganz lange Anlagehorizonte setzen und sich quasi als Unternehmer sehen, die ihre Investments über viele Jahre begleiten. Mein Glückwunsch an dieser Stelle an alle Fondsmanager, denen das in den letzten 20 Jahren z.B. mit Amazon, Google oder Apple gelungen ist. 

Fazit: 

Es gibt sehr viele unterschiedliche Ausrichtungen von aktiv gesteuerten Aktienfonds und sogar auch Kombinationen davon. Daher sollten sich Anleger vor jedem Investment informieren, wie der Investmentstil innerhalb eines Fonds aussieht. Dieser soll klar formuliert und nachvollziehbar sein. In einem als Small- and MidCap deklarierten Fonds haben z.B. Aktien vom Großkonzern Siemens nichts verloren. Ganz wichtig ist selbstverständlich die sog. Stiltreue. Änderungen der Ausrichtung eines Fonds sollten möglichst gar nicht vorkommen. Sollte das aufgrund von Übernahmen oder Fondsfusionen passieren, muss dieses klar kommuniziert werden. Das führt zu Verzerrungen im Wettbewerbsumfeld, wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden. Zudem wollen Anleger grundsätzlich Klarheit darüber haben, in was sie investieren. Sollte die Stiltreue nicht beibehalten werden, ist das regelmäßig ein Verkaufsgrund für Anleger.  

Christoph Vogt 

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