ETF – die Highflyer

Marktentwicklung der ETF und ihre Bedeutung für Geldanleger

Erst im Jahre 2009 wurde die Schallmauer von einer Billion USD in ETF global überschritten. Seitdem nahm der Siegeszug dieser Assetklasse sogar noch beschleunigt seinen Lauf. Selbst im für Anleger sehr schwachen Jahr 2018 konnten die verwalteten Vermögen (AuM) quasi auf dem Niveau des Vorjahres bei rund 4,7 Billionen USD gehalten werden. Im aktuellen Jahr 2021 sollte die Marke von 8 Billionen USD (e) bereits überwunden worden sein. 

Wie ist der Triumph dieser Assetklasse zu erklären? 

Zur Erläuterung: In diesem Artikel beziehe ich mich ausschließlich auf passive Indexfonds. Deren Entwicklung ist sicherlich durch mehrere Faktoren getrieben worden. Der Margendruck in der Branche der Vermögensverwaltung hat dazu beigetragen, kostengünstige Produkte zu entwickeln. Hiervon blieben selbst die größten Adressen nicht verschont. Als klaren Antreiber mache ich das Internet aus und die zahlreichen Neugründungen von Discount Brokern und Vermögensverwaltern. Dafür waren zwei Innovationen entscheidend: Immer schnellere IT, die in der Lage ist, innerhalb von Millisekunden mit gigantischen Datenmengen umzugehen (Big Data). Zweitens kamen immer mehr Verbraucher in den Genuss schneller Internetzugänge – sowohl per Kabel als auch per Mobilfunk oder Satellit.   

Für Vermögensverwalter mit einem eigenen Fondsangebot bieten ETFs einige Vorteile: Sie sind per Computerprogramm kostengünstig zu managen. Zudem vermeiden sie ein großes Risiko, das bei aktiv gemanagten Fonds besteht: Mit einem sog. “Star Fondsmanager” könnten entscheidende AuM bei dessen Verlassen des Arbeitsgebers abwandern. Überspitzt formuliert könnte ein Auszubildender einen ETF managen. Gesparte Gelder, die nicht für Research oder Fondsmanager ausgegeben werden müssen, können nun in das Marketing fließen. Die Kommunikation mit Kunden wird ebenfalls einfacher, denn (Fehl-)entscheidungen des aktiven Fondsmanagements müssen nicht umständlich erklärt werden. Schließlich hat ein Kunde “einen ganzen Markt” in Form eines Index bewusst gewählt, um Risiken breit zu streuen. 

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Einmal “den ganzen Markt” kaufen”!

Neue Anlegerkreise werden via Discountbroker erschlossen. In den letzten Jahren sind immer mehr jüngere Anleger via ETF an Aktienanlagen heran geführt worden. Bei dieser Anlegergruppe dürfte die Erkenntnis gewachsen sein, dass per “normalem Sparen” kein Geld mehr zu verdienen ist und im Gegenteil eine Enteignung stattfindet. Die günstigen Preisstrukturen der Discountanbieter haben bei dieser Entwicklung sicherlich große Unterstützung geleistet.  

ETFs sind nicht ohne Risiko! 

Wir alle kennen diese Aussagen aus Verkaufsgesprächen: “Mit diesem Index ETF XY senken Sie Ihre Kursrisiken, weil Sie ja quasi den gesamten Markt kaufen.” Natürlich führt die Diversifikation im Fonds zu einem geminderten Risiko, aber das schützt eben auch nicht vor sog. “Flash Crashs”. Das sind urplötzlich und oft unerklärt auftretende heftige Kurseinbrüche innerhalb eines Handelstages. Häufig werden die Kursrückgänge dann schon wieder am selben Handelstag vollständig aufgeholt. Und was passiert in diesem Fall dem vorsichtigen Investor, der mit Stop-loss-Limit arbeitet? Richtig. Er ist abends um seinen Stop-loss Puffer ärmer. 

Systematische Kritik an Index ETFs

Ein Marktindex soll möglichst exakt die Bewegung eines gesamten Marktes widerspiegeln. Daher sind in so einem ETF auch immer hoffnungslos überbewertete Titel enthalten, die ein eher defensiver Anleger vermeiden würde. Das Chancen- / Risikoverhältnis ist bei diesen Titeln einfach ungünstig. Exakt umgekehrt verhält es sich mit den sog. “lahmen Enten”, den unattraktiven Substanztiteln, die kaum große und schnelle Kursgewinne versprechen. Aber vielleicht zahlen sie zuverlässig seit Jahrzehnten eine Dividende an ihre Aktionäre. Vorsichtige Anleger würden hiervon sicherlich höhere Anteile in ihrem Depot haben wollen. Doch wozu zwingt die Systematik eines ETF? Wird ein Index durch Kursgewinne von überbewerteten Aktien weiter angetrieben, müssen auch die ETF weiter diese teuren Aktien kaufen. Die ETFs fungieren daher immer als systematische Trendverstärker! Wenn man sich gruseln möchte, denkt man an einen echten Crash, in dem dann nur noch Handelsunterbrechungen die Abwärtsspirale stoppen können.  

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Würze für Portfolios mit ETFs

Wie passen aktiv und passiv zusammen?  

Anleger erwarten von aktiven Investoren, dass sie Positionen abseits von Indizes aufbauen und gezielt nach besonderen Chancen suchen. Schließlich kann ja jeder “den Markt” mit Hilfe von ETF kaufen.  

ETFs haben auch für aktive Geldanleger durchaus ihre Berechtigung. Sie eignen sich hervorragend, um bestimmte Sektoren temporär in einem Portfolio zu akzentuieren. Auch bei Investitionen in Länder und Regionen sind sie ein probates Mittel, um zügig breit investiert zu sein. 

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Schnell die Farbe Rot beimischen mit einem ETF

Aufgrund der schwierigen Wettbewerbsverhältnisse in der Finanzbranche dürften die ETFs ihren globalen Siegeszug fortsetzen. Anleger sollten sich aber immer über die damit verbundenen Risiken im Klaren sein. Automatismen sind gefährlich. Vorsichtige Anleger sollten auch beim Einsatz von ETFs lieber Profis zur Überwachung ihrer Positionen beauftragen bzw. aktives Management mit defensiver Anlagestrategie durchführen lassen. 

Christoph Vogt

Kontakt

Q.: statista.de 

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