Die Aktionärsstruktur: Darauf sollte man achten

Wer erinnert sich noch an den “Neuen Markt”? 

In der Zeit der sog. “Technologieblase” um die Jahrtausendwende gingen viele junge Unternehmen an die Börse. Eine dieser Börsen war der extra für dieses Segment geschaffene “Neue Markt” in Deutschland. Die meisten jungen Aktionäre interessierten sich ausschließlich für die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens. Je mehr das Wort “Internet” vorkam, desto besser. Nur die wenigsten Anleger beherrschten die Grundzüge der Aktienanalyse. Bei Börsengängen junger Unternehmen sollten interessierte Anleger immer einen Blick auf die Aktionärsstruktur werfen. Das hilft, teure Fehler zu vermeiden. Ein Prospekt zum Börsengang (IPO) erläutert die Aktionärsstruktur vor und nach einem Börsengang. Daraus lassen sich schon interessante Schlüsse ziehen.

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Fließt einer jungen AG bei einem IPO überhaupt frisches Geld zu? 

Häufig kam es vor, dass im Rahmen eines IPOs die Gründer und oder Hauptgesellschafter lediglich Aktien verkauften ohne die gleichzeitige Erhöhung des gezeichneten Kapitals über eine Kapitalerhöhung. Es handelt sich um einen einfachen Verkauf – “Kasse machen” durch die Altgesellschafter. Das ist sicherlich keine Konstellation, die besonders vertrauenswürdig erscheint. Schließlich soll jungen Unternehmen doch gerade Wachstum ermöglicht werden über einen Börsengang. Und welche Pläne verfolgen die Altgesellschafter? Wie hoch sind die verbleibenden Anteile nach einem IPO? Ist der Ausstieg vielleicht schon so lukrativ, dass gar keine Ambitionen mehr vorhanden sind, sich noch für das Unternehmen im bisherigen Maße zu engagieren?  

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Eine AG soll per IPO wachsen und zusätzliche Aktionäre erhalten!

Hier möchte ich die Traumkonstellation für neue Aktionäre bei einem IPO erläutern. Ein Unternehmen geht an die Börse, wird von den Gründern weiter geführt und diese denken gar nicht daran, im Rahmen des IPOs Aktien zu verkaufen. Sie lassen sich lediglich verwässern. Das ist das “Commitment”, das sich Aktionäre von ihrem Vorstand wünschen. Wenn ein Gründer via IPO lediglich frisches Geld sucht, um schneller wachsen zu können, ist das ein klarer Hinweis auf die Fortsetzung einer bisherigen Erfolgsgeschichte. Es werden neue Aktien ausgegeben und damit das Eigenkapital erhöht. Sämtliche Mittel fließen also in das Unternehmen und nicht in die Taschen von Altgesellschaftern. 

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Lange “Lock-up Fristen” als Vertrauensbeweis der Altaktionäre

Wer sind die Altaktionäre und wie verhalten sie sich während des IPOs? Wenn ein sog. Risikokapitalgeber (Venture Capital) im Rahmen eines IPOs vollständig aussteigt und alle bisher gehaltenen Anteile verkauft, ist das nicht verwerflich. Dieser Vorgang gehört zum normalen Geschäftsmodell von Risikokapitalgebern. Ihr Interesse an Unternehmen beginnt in der Start-up Phase und reicht i.d.R. bis zum “Exit” im Rahmen eines IPOs. 

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Welche Altaktionäre gibt es noch und welche Ziele verfolgen diese? Bei jungen Wachstumsunternehmen spielen häufig Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) eine wichtige Rolle. Sie steigen in Finanzierungsrunden nach den Risikokapitalgebern ein, nachdem sich das Geschäftsmodell als erfolgreich heraus gestellt hat. Häufig trennen sich diese Unternehmen im Rahmen eines IPO nur von einem Teil ihrer Beteiligungen. Mit den übrigen Positionen soll das Unternehmen weiter begleitet werden. Auch bei diesen Unternehmen sollte eine Lock-up Regelung getroffen werden. Verpflichtet sich z.B. ein Beteiligungsunternehmen, seine Position nach einem IPO noch z.B. mindestens weitere 12 Monate zu halten, ist das ein starkes Zeichen für den Markt. Und eben diese Daten – die Enddaten von Haltefristen – sollten Aktionäre kennen, die während oder kurz nach einem IPO bei einer AG einsteigen. Je nach Größe des Unternehmens können Verkäufe durch Altaktionäre gravierende Wirkungen auf den Aktienkurs haben. Werden in einem engen Markt mit relativ begrenzter Liquidität umfangreiche Verkäufe vorgenommen, kann der Kurs schnell einbrechen.  

Christoph Vogt schreibt über die Bedeutung der Aktionärsstruktur für Anleger

Wer sind meine Mitgesellschafter? 

Diese Frage sollte sich ein Aktionär nicht nur im Rahmen von IPOs stellen. Es gibt z.B. strategische Aktionäre, die aufgrund einer engen operativen Zusammenarbeit gut informiert sein möchten oder verhindern wollen, dass direkte Wettbewerber beim Partner einsteigen. Auf diese ist i.d.R. Verlass: Auch bei fallenden Kursen werden diese Beteiligungen nicht in Panik aufgelöst. Anders sieht es bei Privatanlegern aus. Oft ist hier wenig Geduld vorhanden und im fallenden Markt wird durch diese Anleger der Druck auf Kurse meistens noch erhöht. Sind noch die klassischen Finanzinvestoren (Investmentfonds oder Beteiligungsgesellschaften) zu erwähnen. Auch hier ist zu hinterfragen, nach welchen Prinzipien diese Anleger vorgehen. Schließlich gibt es Fondsmanager, die ihre Beteiligungen über Jahre halten und andere, die häufig umschichten und bei kleinen Gewinnen schon wieder aussteigen. 

Manchmal können auch einzelne Privatanleger spannende Hinweise liefern. Befragt ein Analyst gängige Suchmaschinen im Internet, können z.B. Lebensläufe, derzeitige weitere Beteiligungen oder Organmitgliedschaften (z.B. Aufsichtsratssitze, Vorstände von Verbänden) interessante Indikatoren sein. Hat ein erfolgreicher Unternehmen z.B. schon zwei Unternehmen in einer Branche zur Größe geführt und ist heute an einem dritten Unternehmen in der Frühphase beteiligt, klingt das spannend für mich.   

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Aktionärsstrukturen großer Konzerne

Schon lange gehören die großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland nicht mehr deutschen Staatsangehörigen. Das ist traurig aber wahr, weil es die Politik in Deutschland nicht vermochte, den Bürgern den wertvollen Sinn von Aktienbeteiligungen zu vermitteln. Die Abteilungen der Konzerne, die sich um die eigenen Aktionäre kümmern, nennt man Investor Relations (IR). Sie versuchen regelmäßig den Überblick zu behalten, welche Aktionäre im Unternehmen sind. Dabei wird eine regionale Gliederung angestrebt und auch eine nach Gruppen (z.B. Privatanleger oder Institutionelle Anleger wie Versicherungen). 

Aktionäre deutscher Konzerne sollten immer wissen, wie das Ausland auf Deutschland blickt. Schwindet dort das Vertrauen in unseren Staat und unsere Unternehmen, bedeutet das Druck auf unsere Aktienkurse. Der Siemens Konzern berichtet aktuell, dass nur rund 28% Inlandsaktionäre vorhanden sind. Mit rund 24% Anteil der Aktien folgen die USA. Im Familienbesitz derer von Siemens befinden sich noch 6% der Siemens Aktien. 

Fazit

Schlaue Anleger wissen immer genau, in was sie investieren. Die Aktionärsstruktur einer AG kann wichtige Hinweise auf zukünftige Kursentwicklungen liefern. Ein Mosaikstein einer ausführlichen Aktienanalyse ist auch immer der Blick auf die Aktionärsstruktur und ihrer Veränderungen.  

Christoph Vogt 

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